Kategorie: Filmbesprechung
"Arco"
Roboter, Waldbrände und ein Junge, der vom Himmel fällt: Der französische Animationsfilm verbindet Science-Fiction mit einer ökologischen Botschaft.
Unterrichtsfächer
Thema
"Jungs fallen nicht einfach vom Himmel", erklärt der Nannybot Mikki sachlich. Der Roboter, der sich im Jahr 2075 um die zehnjährige Iris und ihren Baby-Bruder Peter sowie den gesamten Haushalt kümmert, während deren Eltern weit weg beim Arbeiten sind, versucht das aufgewühlte Mädchen zu trösten. Erst hat sie einen Regenbogen gesehen, dann dort, wo dieser im Wald die Erde berührt hat, ein verletztes Kind in einem regenbogenfarbenen Umhang gefunden. Ein Zauberer? Ein Engel? Mikki hält nichts von solchen Vermutungen. Während er sich dennoch behutsam um den Jungen kümmert, ahnt Iris schon, wie außergewöhnlich dieser ist. Und sie hat recht. Denn Arco kommt aus der Zukunft. 857 Jahre trennen Arco und Iris. In die Vergangenheit hat es Arco verschlagen, weil er neugierig war und einmal Dinosaurier mit eigenen Augen sehen wollte. Doch die heimliche Zeitreise endete für ihn in einem Fiasko: Beim Aufprall hat er den Kristall verloren, den er für die Rückreise braucht. Als sich noch dazu drei nerdige Brüder, die den Absturz ebenfalls beobachtet haben, an seine Fersen heften und ein gigantischer Waldbrand sich nähert, formt sich zwischen den beiden Kindern ein besonderes Band.
Retrofuturistische Ästhetik mit Botschaft
Geradezu altmodisch wirkt der französische Zum Inhalt: Animationsfilm von Ugo Bienvenu, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen orientiert sich die Gestaltung des Jahres 2075, in dem ein Großteil der Handlung spielt, an ästhetischen Konzepten des Retrofuturismus. Klobige Roboter sind darin zu engen Vertrauenspersonen der Menschen, manchmal gar gleichwertigen Familienmitgliedern geworden. Über die Straßen fliegen leuchtend bunte Autos, durch die Gänge der Supermärkte schweben Einkaufswägen. Eine fantastische Welt, die aber auch vertraute Züge enthält und offensichtliche Parallelen zu problematischen Entwicklungen der Gegenwart aufweist. Zum anderen erinnert die flächige 2D-Animation an klassische, handgezeichnete Zum Inhalt: Zeichentrickfilme und lehnt sich dabei stilistisch deutlich an die Zum Inhalt: Animes des japanischen Studio Ghibli an. Auch wenn die Gesichter der Figuren detailreicher gezeichnet sind als in japanischen Trickfilmen üblich, so heben sich auch hier die einfach gehaltenen flächigen Figuren deutlich von den detailreichen Hintergrundzeichnungen ab. Und auch thematisch sucht "Arco" die Nähe zu Produktionen von Miyazaki Hayao wie etwa "Das Schloss im Himmel" ("Tenkū no Shiro Rapyuta", JP 1986), setzt er doch wie dieser immer wieder auf ruhige, kontemplative Zum Inhalt: Szenen, die Hand in Hand mit humorvollen Momenten gehen, auf zwei junge Hauptfiguren und mehrdimensionale Nebenfiguren, die sich nicht so einfach in vorgefertigte Schubladen stecken lassen, sowie auf eine umweltbewahrende Botschaft.
Eine Zeitreise verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Während die Menschheit in Arcos Zukunft hoch über den Wolken in futuristischen Stelzenhäusern lebt, um dem Erdboden Raum zur Regeneration zu geben, zeichnet sich in der Welt von Iris die ökologische Katastrophe erst ab. Der familiären Nähe in Arcos Zuhause steht die technologiedominierte Welt von Iris gegenüber, in der Roboter viele Rollen im Haushalt und in der Schule übernommen haben, während menschliches Miteinander nur noch begrenzt möglich erscheint. Doch in der Tradition klassischer Zeitreisefilme sind es auch hier die Impulse aus der Zukunft, die den Lauf der Geschichte maßgeblich beeinflussen. Mindestens ebenso wichtig ist das Zusammenspiel zwischen Iris und Arco: Was beide verbindet, ist die Sehnsucht, wieder mit ihren Familien vereint zu sein. Iris leidet darunter, dass ihre Eltern kaum da sind; nur als Hologramme streifen sie durch das Haus – aber Hologramme kann man eben nicht drücken. Arco wiederum will unbedingt zurück nach Hause. Er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat, als er die Zeitreise auf eigene Faust angetreten hat.
Durch seine eigenwillige Zum Inhalt: Inszenierung führt "Arco" bereits jüngere Zuschauer/-innen sensibel an das Zum Inhalt: Genre des Zum Inhalt: Science-Fiction-Films heran, erzählt über unterschiedliche Zukunftsvisionen und vermischt dabei sogar eine zeitlich näher liegende Dystopie mit einer weiter entfernten Utopie, wobei auch ein mahnender Blick in Richtung Gegenwart nicht ausbleibt.
Zwischen düsterer Science-Fiction und Hoffnung
Die Ursprünge von "Arco" liegen in der Zeit der Covid-Pandemie. Während sich die Welt wie der Spiegel einer düsteren Science-Fiction-Geschichte anfühlte, wollte der Comiczeichner Ugo Bienvenu, der bislang unter dem Kürzel Ugo etwa Graphic Novels wie Préférence Système (2020) publiziert hatte (und in dem bereits die grafische Vorlage für die Nanny-Roboter aus "Arco" zu finden sind), mit seiner Geschichte ein hoffnungsvolles Zeichen setzen. Insbesondere das Ende des Films ist in dieser Hinsicht mustergültig. So findet er in seiner letzten Szene zu einer Botschaft, die alle Kernthemen des Films noch einmal zusammenbringt: Zeitreise-Loops, Freundschaft und Zusammenhalt, Verantwortungsgefühl, die Bereitschaft, voneinander zu lernen – und das innige Bedürfnis, die Welt zum Guten zu verändern und wertvolle Spuren zu hinterlassen.